"The Passion of Christ": Mel Gibson unter Beschuss

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Bernd1405
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"The Passion of Christ": Mel Gibson unter Beschuss

Beitragvon Bernd1405 » 25.11.2003, 22:40

Wer in der heutigen Zeit einen Film über das Leben Jesu dreht, gerät zwangsläufig in die Kritik. Klebt der Regisseur zu urteilslos an den Bibelseiten, schläft ihm das Publikum unter den gefalteten Händen ein. Wagt er sich hingegen an eine eigene Interpretation der Ereignisse, sind stürmische Proteste von Religionsgemeinschaften vorprogrammiert. Mel Gibsons neues Werk "The Passion of Christ" fällt in die zweite Kategorie.
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Der Film mit James Caviezel ("Angel Eyes") in der Hauptrolle sei antisemitisch, lautet der harte Vorwurf gegen Regisseur Mel Gibson, weil er die These vertrete, die Juden seien für den Tod Jesu verantwortlich. Zusätzliche Negativpublicity zog das Drama durch die Meldungen zweier religiöser Akademiker auf sich, die sich mit Telefonterror, Drohbriefen und antisemitischen Parolen im E-Mail-Posteingang konfrontiert sahen, nachdem sie gegen "The Passion" Stellung bezogen hatten.

Die "New York Post" unternahm jetzt einen bemerkenswerten Versuch, Klarheit in die Anschuldigungen und Gegenanschuldigungen zu bringen. Man organisierte eine Kopie des noch unveröffentlichten Films und setzte einen Rabbi, einen katholischen Priester, eine Baptisten-Predigerin, eine Professorin für katholische Religion und den hauseigenen Filmkritiker zusammen in den Vorführraum und wartete die Reaktionen ab.

Das härteste Urteil fällte der Rabbi: "Es hat mir als Jude Schmerzen bereitet, den Film zu sehen. Ich kann mich nicht daran erinnern, je in einem Film eine derart empörende Darstellung der Juden gesehen zu haben. Juden wurden konsequent als brutal, sadistisch und gleichgültig in Bezug auf Gerechtigkeit und Sittlichkeit porträtiert." Niemand solle sich den Film ansehen, lautete die Empfehlung des Rabbi.

Auch der katholische Priester äußerte sich wenig schmeichelhaft: "Ich bin enttäuscht, dass er nicht die ihm zur Verfügung stehenden Mittel für ein ausgewogenes Porträt vom Leben und Tod Jesu genutzt hat. Ich denke nicht, dass seine Beweggründe antisemitisch waren, aber die Juden werden unfair porträtiert."

Gibson habe die Möglichkeit gehabt, seinen Film auf die lange Geschichte der Theologie zu stützen, bläst die katholische Professorin ins selbe Horn. "Er hat diese Chance verspielt, indem er einfach nur einen Film über die Brutalität gemacht hat. Der Film mischt Legenden mit dem Evangelium und verzerrt so die Geschichte."

Aber es gab auch positive Stimmen: "Der Film brachte mich dazu, tiefer über die Bedeutung meiner Seele nachzudenken und darüber, welches unglaubliche Opfer für sie erbracht wurde", meinte die Baptisten-Predigerin und resümierte: "Ein Film, den man sich unbedingt ansehen sollte." Sie empfand das gezeichnete Bild der Juden als "fair", da es "in jeder [dargestellten] Gruppe gute und schlechte Menschen gab. Die Römer haben zu der Zeit Menschen den Löwen vorgeworfen."

"Es gab einige viel versprechende und einige beunruhigende Elemente in dieser frühen Version", äußerte sich schließlich der Filmkritiker über Mel Gibsons Werk. "Er sollte die endlosen Nahaufnahmen der blutenden Juden kürzen, die den Film für viele Zuschauer unansehbar machen werden. Die ganze Sache erinnert mich sehr an Martin Scorseses 'Die letzte Versuchung Christi' vor ungefähr 15 Jahren. Der Film konnte sein Publikum nicht erreichen und verschwand still und leise. Ein Schicksal, das er vermutlich mit 'The Passion of Christ' teilen wird."
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"The Passion of Christ" startet am 25. Februar 2004 in amerikanischen Kinos. Einen Premierentermin für Deutschland gibt es noch nicht.
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Beitragvon Flatto » 25.11.2003, 23:32

Religion gehört einfach verboten.


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