Cinema Kritik M3

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Ghostraider
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Cinema Kritik M3

Beitragvon Ghostraider » 08.11.2003, 04:22

Das Geheimnis ist enthüllt: Die Matrix ist ein Werk der Zeugen Jehovas. Und das ist noch nicht einmal das Schlimmste: Die Gebrüder Wachowski entzaubern ihren eigenen Mythos.
Schwanengesang für Neo: In "Matrix Revolutions", dem lang erwarteten letzten Teil der "Matrix"-Trilogie, entscheidet sich das Schicksal der unterirdischen Rebellen- Zuflucht Zion und das Los der Menschheit. Es gibt viel Piffpaff, noch mehr konfuse Andeutungen und kryptoreligiöses Getue und dazwischen die gewohnten Action- Videospiele.
Nein, auch "Matrix Revolutions" ist eine einzige Enttäuschung. Die Dialoge bewegen sich hart am Rand der Eigenkarikatur, die 20-minütige Schlachtsequenz gegen die flutschenden Elektrolurche nervt, der peinliche Schluss wirkt wie ein Werbespot der Zeugen Jehovas. Wer zuvor in die "Matrix"-Trilogie allen möglichen Krimskrams hineingedeutelt hat, sieht sich im Nachhinein 380 Minuten an der Nase herumgeführt: Im dritten Teil entpuppt sich die Serie als durchschnittlicher Kavalleriewestern mit Computerviren statt Indianern.

"Matrix" hatte schon immer den Beigeschmack des "Terminator" für den gehobenen Esoteriker. Aber wie es bei Esoterikern so ist: Wenn sie in Erklärungsnöte gelangen, fangen sie an zu schwimmen. Die Auflösung, die die Gebrüder Larry und Andy Wachowski am Ende von "Revolutions" auftischen, ist nach all dem wichtigtuerischen Gebrumme und komplizierten Gestelze banaler, als es der Architekt erlaubt. Und dafür das ganze Gedöns? Hätte man das nicht 130 Filmminuten früher haben können?

"Matrix" scheitert aber nicht nur an seinem fantasielosen Schlussakt, sondern ironischerweise auch am Fluch der Maschinen: Der Overkill an Computeranimation treibt dem Film das letzte Leben aus. Was in den Kunstwelten von Trickfilmen wie "Findet Nemo" zu einem bizarren anderweltlichen Realismus führt, erzeugt im Realfilm den Eindruck klinischer Eindimensionalität. Playstation-Bilder will man nicht im Kino sehen.

Zum Schluss noch ein Wort in eigener Sache: In unserer letzten Ausgabe brachten wir einen Beitrag über den möglichen Ausgang der "Matrix"-Trilogie. Er setzte sich aus Material der Webpage www.matrixforum. de, Leserhinweisen und eigenen Überlegungen zusammen. Der Text war als Gedankenspiel zu verstehen, als Verknüpfung bekannter Fakten mit den Variablen der daraus resultierenden Möglichkeiten. Die Wachowskis haben die schwächste aller Lösungsmöglichkeiten bevorzugt. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, wenn der gute Neo im ersten Film die blaue Pille genommen hätte.

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